Münzen & Sammeln

Römische Münzen erkennen und einordnen

Porträt, Legende und Nominale lesen, Münzen im Katalog bestimmen und verstehen, warum ein Fund nicht automatisch dir gehört.

Zur Bestimmung

Redaktion Metalldetektor-Guide · aktualisiert am 20. Oktober 2026

Die Antwort in Kürze

Römische Münzen erkennst du an Kaiserporträt, lateinischer Legende und Rückseitenmotiv. Das Nominal verraten Metall, Größe und Gewicht: Denar (Silber), Sesterz (große Messingmünze), Antoninian (Strahlenkrone) und Follis (Bronze). Bestimmen kannst du sie über die Legende, den Katalog RIC und die Datenbank OCRE. Ein Bodenfund gehört nicht automatisch dir.

Redaktion Metalldetektor-Guide Aktualisiert am 20. Oktober 2026 So vergleichen wir
Inhalt dieser Seite
  1. Woran erkennst du eine römische Münze?
  2. Kaiser-Porträt und Legende lesen
  3. Die wichtigsten Nominale im Überblick
  4. So bestimmst du eine römische Münze
  5. Was ist eine römische Münze wert?
  6. Fund ist nicht gleich Eigentum
  7. Fazit: erst bestimmen, dann einordnen

Woran erkennst du eine römische Münze?

Römische Münzen zeigen fast immer ein Porträt auf der Vorderseite (Avers) und ein Bildmotiv auf der Rückseite (Revers). Um den Rand läuft die Legende, eine lateinische Umschrift in Großbuchstaben, meist abgekürzt. Als Beispiel nennt der Händler Kettner die Silberdenare der Kaiserin Julia Domna: Vorn ist ihr Bildnis mit auffälliger Frisur zu sehen, hinten meist eine Göttin wie Venus, Juno oder Vesta.

Ob ein Stück römisch ist, entscheidet nicht ein einzelnes Merkmal. Zusammen zählen Porträt, lateinische Legende, Metall, Größe und Gewicht. Das Metall reicht von Silber über Bronze und messingartige Legierungen bis zu Billon, einer Mischung aus Kupfer und nur wenig Silber. Welches Metall zu welchem Nominal gehört, zeigt der Abschnitt weiter unten.

Kaiser-Porträt und Legende lesen

Das Porträt zeigt den Kaiser, ein Mitglied seiner Familie oder einen Mitregenten. Die Legende nennt Name und Titel. Die Titel sind abgekürzt, einige tauchen ständig auf:

  • IMP: Imperator, hier im Sinn von Feldherr und Herrscher
  • CAES: Caesar
  • AVG: Augustus, etwa „Kaiser Augustus“, der ab 27 v. Chr. den Titel führte
  • P M: Pontifex Maximus, oberster Priester
  • TR P: tribunicia potestas, die Amtsgewalt eines Volkstribuns
  • COS: Konsul
  • S C: Senatus Consulto, „auf Beschluss des Senats“, häufig auf Bronzemünzen

Ein Hinweis zur Datierung: Titel wie TR P oder COS werden mit Ziffern gezählt und ändern sich im Lauf einer Regierungszeit. Das hilft Fachleuten, ein Stück zeitlich einzugrenzen. Ein zweites Merkmal ist die Kopfbedeckung. Die Strahlenkrone auf dem Kaiserporträt kennzeichnet laut Wikipedia den Antoninian, bei Kaiserinnen steht an ihrer Stelle eine Mondsichel unter dem Bildnis.

Bei abgegriffenen Stücken lohnt der Blick auf die Rückseite. Der Numismatiker Nathan Elkins schreibt für die American Numismatic Society, dass man bei spätrömischen Münzen oft den Rückseitentyp erkennt und die Münze darüber einem Zeitraum zuordnet. Sein Beispiel: Zwei Soldaten, die eine Standarte flankieren, gehören zu Prägungen von 335 bis 340 n. Chr. Für schlecht erhaltene Stücke dieser Zeit nennt er das Bestimmungsbuch von Guido Brück zur spätrömischen Kupferprägung.

Die wichtigsten Nominale im Überblick

Ein Nominal ist die Wertstufe einer Münze, also die Münzsorte. Vier Namen begegnen dir am häufigsten. Manche Bezeichnungen sind modern, vom Antoninian ist der antike Name laut Wikipedia nicht überliefert.

Denar: die Silbermünze

Der Denar entstand laut Kettner um 211 v. Chr. im Zweiten Punischen Krieg und wog anfangs rund viereinhalb Gramm bei nahezu reinem Silber. Unter Nero sanken Gewicht und Silberanteil erstmals deutlich. Im dritten Jahrhundert n. Chr. war er im Grunde nur noch eine versilberte Kupfermünze.

Sesterz: die große Messingmünze

Seit der Münzreform unter Augustus wurde der Sesterz laut Wikipedia aus Aurichalkum geprägt, einer messingähnlichen Kupfer-Zink-Legierung. Er misst 27 bis 35 Millimeter und wiegt etwa 27,3 Gramm. Er galt vier Asse und diente bis zur Reform Diokletians als Recheneinheit. Die reguläre Prägung endete inflationsbedingt mit dem Jahr 264 n. Chr.

Antoninian: die Doppelwertmünze

Caracalla führte den Antoninian um 214 n. Chr. ein. Er galt nominal zwei Denare, enthielt aber nur Silber für anderthalb. Sein Silbergehalt fiel von im Schnitt etwa 40 Prozent um 238 n. Chr. auf unter 3 Prozent um 270 n. Chr. Laut Kettner sind späte Stücke dünn, flach und bräunlich, weil die dünne Silberschicht abgerieben ist.

Follis: die Bronzemünze der Spätantike

Der Follis kam mit der Münzreform Diokletians um 294 n. Chr. auf. Anfangs wog die große Bronzemünze etwa zehn Gramm und trug eine dünne Silberschicht. Im vierten Jahrhundert wurde sie mehrfach verkleinert. Unten auf der Rückseite steht das Kürzel der Prägestätte, etwa TR für Trier oder CONS für Konstantinopel.

So bestimmst du eine römische Münze

  1. Nicht reinigen: Patina und Oberfläche enthalten Informationen, die Fachleute für die Bestimmung brauchen. Wie du Münzen schonend behandelst und einordnest, erklärt der Ratgeber Münzen reinigen und bestimmen.
  2. Beide Seiten fotografieren: Nutze seitliches Licht, damit auch flaches Relief sichtbar wird.
  3. Messen und wiegen: Gewicht und Durchmesser vergleichst du mit den Richtwerten für den Typ. Laut Kettner schließt ein Magnet eisenhaltige Kopien aus.
  4. Legende und Porträt lesen: Notiere, welche Buchstaben du sicher erkennst, und lass unleserliche Stellen offen.
  5. Im Katalog suchen: Das Standardwerk ist die Roman Imperial Coinage (RIC), ein Katalogwerk zu den Münzen der Kaiserzeit von 31 v. Chr. bis 491 n. Chr. Online hilft die Datenbank OCRE, in der du nach Legenden und Stichwörtern suchst und Bilder vergleichst.
  6. Fachleute fragen: Das Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin bietet im Studiensaal Auskunft zu numismatischen Fragen. Bei Bodenfunden ist die Denkmalbehörde der richtige Kontakt.

Zur RIC gibt die American Numismatic Society (ANS) an, dass der Katalog zehn Bände umfasst und über rund sieben Jahrzehnte erschienen ist. Weil viele Bände älter sind, gelten Teile durch Neufunde als überholt, einzelne Bände wurden neu bearbeitet. Die ANS führt in OCRE mehr als 130.000 Exemplare aus Sammlungen, darunter das Münzkabinett Berlin und das British Museum.

Was ist eine römische Münze wert?

Eine pauschale Antwort gibt es nicht, und dieser Artikel nennt bewusst keine Preise. Der Materialwert ist bei einem Denar gering, weil er nur wenige Gramm Silber enthält. Nach Angaben des Händlers Kettner entscheiden stattdessen Zustand, sichere Zuordnung zu Herrscher und Prägeort sowie ein nachvollziehbarer Herkunftsweg. Zwei Denare desselben Kaisers und Typs können sich laut Kettner im Preis stark unterscheiden, je nachdem, ob das Stück scharf und mittig geprägt oder angegriffen ist.

Zwei Faustregeln helfen bei der Einordnung. Erstens sind Typen, die in großer Zahl geprägt wurden, auch heute nicht selten. Zweitens sagt der Name eines Kaisers allein wenig aus, denn eine Münze mit bekanntem Namen kann trotzdem häufig und abgenutzt sein. Ohne Bestimmung und Anschauung des Stücks ist jede Zahl aus dem Netz ein Rateergebnis. Wie du Zustand, Katalog und Verkaufsweg trennst, steht im separaten Beitrag zur Wertermittlung.

Vorsicht: Römische Münzen werden häufig kopiert. Kettner nennt als erste Prüfpunkte Gewicht, Durchmesser, Gussnähte am Rand, kleine Poren auf der Oberfläche und eine fest sitzende Patina, die dem Relief folgt. Im Zweifel hilft der Vergleich mit dokumentierten Exemplaren oder ein Gutachten.

Fund ist nicht gleich Eigentum

Recht: Wer einen Schatz entdeckt, erwirbt nach § 984 BGB das Eigentum zur Hälfte, die andere Hälfte erhält der Eigentümer der Sache, in der der Schatz verborgen war. Diese Regel gilt aber nicht überall: Nach Art. 73 EGBGB bleiben landesrechtliche Vorschriften über Regalien unberührt, und die Länder haben ein Schatzregal in ihre Denkmalschutzgesetze aufgenommen. Archäologische Funde können dann mit der Entdeckung Eigentum des Landes werden. Als Beispiel nennt das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege eine Meldepflicht für Funde (Art. 8 BayDSchG) und das Schatzregal (Art. 9 BayDSchG). Die Regeln unterscheiden sich je nach Bundesland. Frage vor jeder Suche und bei jedem Fund die zuständige Denkmalbehörde deines Landes. Das ist keine Rechtsberatung.

Der Sprung vom Interesse zum Fund ist deshalb kein Freibrief. Eine römische Münze aus dem Boden kann ein bewegliches Bodendenkmal sein, das du melden musst. Sondeln auf Bodendenkmälern ist in Bayern nach Angaben des Landesamts verboten. Bei Käufen aus dem Handel gilt: Hebe Rechnung und Beschreibung dauerhaft auf, denn der Handel mit rechtswidrig ausgegrabenem Kulturgut ist verboten.

Fazit: erst bestimmen, dann einordnen

Eine römische Münze erkennst du an Porträt, Legende und Rückseitenmotiv. Das Nominal verraten Metall, Größe und Gewicht. Für die Bestimmung bieten RIC und OCRE den Rahmen, bei Unsicherheit hilft ein Museum. Frage nie zuerst nach dem Wert, sondern danach, was du in der Hand hältst und woher es stammt. Bei Bodenfunden gilt: erst melden, dann einordnen lassen.

Häufige Fragen

Woran erkenne ich, ob eine Münze römisch ist?

Typisch sind ein Porträt mit lateinischer Umschrift, ein Bildmotiv auf der Rückseite und ein passendes Metall wie Silber, Bronze oder Messing. Prüfe Gewicht, Durchmesser und Magnetismus und vergleiche das Stück mit dokumentierten Exemplaren. Sicherheit gibt erst eine Bestimmung im Katalog oder durch Fachleute.

Was ist ein Antoninian?

Der Antoninian ist eine römische Münze, die Caracalla um 214 n. Chr. einführte. Sie galt nominal zwei Denare und zeigt den Kaiser mit Strahlenkrone, Kaiserinnen mit Mondsichel unter dem Bildnis. Der Silbergehalt sank im dritten Jahrhundert stark, bis kaum noch Silber übrig war.

Was bedeutet RIC bei römischen Münzen?

RIC steht für Roman Imperial Coinage, das Standardkatalogwerk zu den Münzen der römischen Kaiserzeit von 31 v. Chr. bis 491 n. Chr. Du schlägst dort Kaiser, Legende und Rückseitentyp nach. Die Datenbank OCRE der American Numismatic Society erleichtert die Suche online.

Wie viel sind römische Münzen wert?

Das lässt sich nicht pauschal sagen. Zustand, genaue Zuordnung und Herkunft entscheiden, und viele häufig geprägte Typen sind auch heute nicht selten. Ohne Bestimmung und Begutachtung des Stücks bleibt jede Zahl geraten. Nenne Händlern oder Museen deshalb Fotos, Maße und Fundumstände.

Darf ich eine römische Münze behalten, die ich finde?

Nicht automatisch. § 984 BGB teilt einen Schatz zwischen Entdecker und Grundeigentümer, die Länder können aber ein Schatzregal anwenden und Funde dem Land zuweisen. Melde Funde der Denkmalbehörde deines Bundeslandes. Das ist keine Rechtsberatung.

Quellen